Das gab es so noch nicht.
Der Online-KFZ-Direktversicherer INEAS gibt seit einigen Tagen (Stand 08.07.2010) auf seiner Internetseite bekannt, dass die Muttergesellschaft International Insurance Corporation (IIC) NV bereits am 24.Juni 2010 durch das Landgericht Amsterdam unter Sonderaufsicht gestellt wurde, da die Liquidität nicht ausreichend sei.
Ein Neuabschluss von KFZ-Versicherungen, die auch unter dem Namen LadyCarOnline als Direktversicherer vertrieben wurden, ist auf den Seiten der INEAS nicht mehr möglich.
Die Folgen sind insbesondere für die Versicherungsnehmer der Ineas verheerend:
Für Schäden aus dem Bereich der KFZ-Haftpflichtversicherung springt nun zwar die Verkehrsopferhilfe e.V. ein, kann allerdings bei den Versicherungsnehmern der Ineas bis zu 2.500.- EUR Regress nehmen.
Für Schäden aus dem Bereich der Teilkasko oder Vollkaskoversicherung gibt es hingegen keinen solchen Garantiefonds.
Dazu teilen die Zwangsverwalter des Versicherers mit: "Zu diesem Zeitpunkt ist es ungewiss, ob IIC Kaskoschäden in vollem Umfang erstatten kann. Die Verwalter werden dies so bald wie möglich klären. Dies könnte allerdings einige Zeit dauern."
Versicherungsnehmer schlecht informiert
Besonders schmerzlich für die Versicherten ist der Umstand, dass Ineas selbst bislang nur über eine Meldung auf der eigenen Homepage über die Sonderaufsicht informiert. Einige Versicherte erfuhren wohl erst über KFZ- Werkstätten, die nicht mehr mit Ineas direkt abrechnen, von den finanziellen Schwierigkeiten des Versicherers, der nur über das Internet Verträge anbot.
Auch von anderen Stellen sind die Informationen für die Versicherten nur sehr spärlich geflossen, so dass sich im Internet schnell Foren zum Austausch der vorliegenden Informationen bildeten ("Foren der Ineas-Geschädigten"), zum Beispiel auch auf der Homepage des IGVM-Vorsitzenden.
Die Rolle von Finanztest
Ebenfalls sehr bedauerlich ist der Umstand, dass Ineas noch im November 2009 von der Zeitschrift Finanztest in Bezug auf das Beitragsniveau als 'weit besser' im Vergleich zum Durchschnitt bewertet und grafisch hervorgehoben wurde. 'Weit besser' klingt nicht nur in den Ohren von Verbrauchern wie 'besonders gut'.
Die IGVM e.V. stellt fest: Ein weit niedrigeres Beitragsniveau ist ein weit niedrigeres Beitragsniveau, Punkt.
Wenn das aber erkauft wird mit schlechtem Service, verbraucherunfreundlichen Bedingungen oder mit schlechter Kalkulation, ist das wahrlich nichts Gutes und alles andere als 'weit besser'.
Wir sind seit jeher der Auffassung und fühlen uns durch den Fall Ineas stark darin bestärkt, dass ein Test von Versicherungsprodukten mit einem Fokus auf die Versicherungsprämie (besonders gute Versicherungsbedingungen hob Finanztest nicht hervor) ein falscher Ansatz ist und Verbraucher durchaus in die Irre führen kann.
Daher haben wir an Herrn Hermann-Josef Tenhagen, den Chefredakteur von Finanztest, einen Offenen Brief geschrieben, eine Antwort steht bis dato aus.
Offener Brief der IGVM an Finanztest
"Sehr geehrter Herr Tenhagen,
bei der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler (IGVM) e.V. (nachfolgend als IGVM bezeichnet) handelt es sich um einen Berufsverband, in dem sich ausschließlich registrierte Versicherungsmaklerunternehmen mit Erlaubnis im Sinne der §§ 34d Abs. 1 GewO i.V.m. 59 Abs. 3 VVG und 652 ff BGB zusammengeschlossen haben.
Satzungsgemäße Zwecke unseres Berufsverbandes sind:
- das Berufsbild der unabhängigen Versicherungsmakler/innen in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik zu fördern und zu stärken,
- Information der Mitgliedsunternehmen über aktuelle rechtliche Fragen der beruflichen Tätigkeit als Versicherungsmakler/in,
- Förderung und Wahrnehmung der beruflichen und wirtschaftlichen Interessen der Mitgliedsunterunternehmen,
- Förderung der Qualifikationen der Mitgliedsunternehmen und deren Mitarbeiter/innen durch Aus- und ständige Fortbildung,
- Förderung der Geselligkeit und des kollegialen Meinungsaustauschs unter den angeschlossen Mitgliedsunternehmen,
- Förderung und Beteiligung an den Versicherungswissenschaften,
- Beratung der Mitgliedsunternehmen und deren Mitarbeiter.
Die IGVM ist in das Register der Interessenvertreter der Europäischen Kommission in Brüssel eingetragen unter der Reg.-Nr. 510 780 8376-68, weitere Informationen zu unserem Berufsverband finden Sie auf unserer Homepage www.igvm.de.
Die Information des KFZ -Direktversicherers INEAS auf dessen Homepage, dass die Muttergesellschaft International Insurance Corporation (IIC) NV bereits am 24.Juni 2010 durch das Landgericht Amsterdam unter Sonderaufsicht gestellt worden ist, da die Liquidität nicht ausreichend sei, nehmen wir zum Anlass, auf den Ansatz Ihrer Versicherungs-Tests in Form dieses Offenen Briefes einzugehen.
Noch in Ihrer November-Ausgabe 2009 hoben Sie das Beitragsniveau der Ineas grafisch im Vergleich zum Durchschnitt als ‚Weit besser’ hervor. Damit suggerierten Sie Ihren Lesern, dass eine deutlich niedrigere Versicherungsprämie etwas besonders Gutes sei.
Niemand wird – insbesondere in Zeiten einer Finanzkrise - ernsthaft von Ihnen erwarten, die jetzt eingetretene nicht mehr ausreichende Liquidität eines Versicherers vorauszusehen.
Wir regen jedoch an, darüber nachzudenken, ob eine deutlich niedrigere Versicherungsprämie wirklich als etwas besonders Gutes hervorgehoben werden sollte, zumal deutlich bessere Leistungen diese optische Hervorhebung nicht erfahren?
Als tagtäglich mit der Vermittlung, aber auch mit der anschließenden Unterstützung im Schadensfall, von Verbrauchern beauftragte Versicherungsmakler stellen wir fest:
Ein weit niedrigeres Beitragsniveau ist ein weit niedrigeres Beitragsniveau, Punkt.
Wird dieses jedoch erkauft mit schlechtem Service, verbraucher-unfreundlichen Bedingungen, oder mit schlechter Kalkulation, ist das wahrlich nichts Gutes und alles andere als 'weit besser'.
Um Schäden bedingungsgemäß, fair und zügig regulieren zu können, benötigen Versicherer – das hat man jetzt wohl auch bei Ineas’ Muttergesellschaft festgestellt – Geld. Geld, das vorher durch eine angemessene Prämienkalkulation eingenommen worden sein muss. Ist die Prämienkalkulation zu knapp ausgefallen, geht das nach unserer Erfahrung regelmäßig zu Lasten des Service und kann die Regulierungsleistung im Schadensfall hinauszögern.
Ganz besonders bedauerlich sind natürlich die Fälle, in denen der Blick des Verbrauchers auf eine möglichst niedrige Versicherungsprämie das Bewusstsein für damit einhergehende schlechte und sich im Schadensfall oft als für ihn teure Versicherungsbedingungen getrübt hat.
Nach unserer Auffassung trägt Ihr Bewertungsschema und insbesondere der Fokus auf eine niedrige Versicherungsprämie dazu bei, dass Verbraucher diese niedrige Versicherungsprämie als Entscheidungskriterium heranziehen, ohne die Kosten einzukalkulieren, auf denen sie „sitzen bleiben“, weil der Versicherer einen Schaden gar nicht, nur teilweise, oder nicht zügig ersetzt. Im Fall Ineas könnten das nun alle Teil- und Vollkaskoschäden sein, da diese nicht durch die Verkehrsopferhilfe e.V. ersetzt werden.
Wir freuen uns, wenn Sie unsere Anregungen berücksichtigen und in die zukünftige Gestaltung Ihrer Versicherungstests einfließen lassen.
Mit freundlichen Grüßen
Gez. Matthias Helberg
Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler (IGVM) e.V."
Der Offene Brief der IGVM e.V. an Finanztest zum Download [78 KB]
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Nachtrag November 2010
Inzwischen wurden alle KFZ-Verträge von INEAS / LadyCaronline außerordentlich von den Insolvenzverwaltern zum 31.08.2010 gekündigt.
Noch Monate später tauchen im Forum der INEAS-Geschädigten immer wieder Meldungen von Betroffenen auf, die mit einemal von Kommunen wegen durch Unfälle verursachte Schäden an Straßen oder von Gesetzlichen Krankenkassen wegen Personenschäden in Regress genommen werden, weil der ehemalige KFZ-Versicherer nicht mehr leisten kann. In solchen Fällen kann auch die VoH nach geltendem Recht nicht helfen. Die Betroffenen stehen vollkommen schutzlos da, obwohl sie ihre Versicherungsprämie bezahlt hatten.
Der Vorsitzende der IGVM e.V. hat daher beim Bundesministerium der Justiz, Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz, sowie beim GDV eine verbesserte Regelung angemahnt.
GDV und BMJ haben kurzfristig geantwortet, Bundesministerin Aigners Antwort steht noch aus. Vielleicht wankt deren Weltbild nun, weil es einmal nicht um geldgierige Versicherungsvermittler geht, sondern um einen Direktversicherer, der ganz ohne Courtagen und Provisionen gearbeitet hat und dazu noch von Finanztest empfohlen wurde?

