TEIL I: Zielgruppe junge Familie – Schwangerschaft und Beschäftigungsverbot

Familien, eine spannende Zielgruppe für viele Versicherungsmakler. Allein im Jahr 2017 wurden laut Statista 784.901 Kinder in Deutschland geboren. In den letzten zehn Jahren steigt die Geburtenanzahl pro Jahr laufend.

Eltern und Kinder sind nicht nur eine interessante Zielgruppe zur Beratung, sondern bringen auch ein gesteigertes Anforderungsprofil an Fragen mit sich. Welche das sein können und wie Sie sich auf diese spannende Zielgruppe vorbereiten, zeigen die IGVM Mitglieder Sebastian Kresse Versicherungsmakler  und Anja Döring von KVoptimal.de GmbH fachlich fundiert aufbereitet.

Schwangerschaft – anstrengend genug für die Schwangere!

Schwangerschaftsvorsorge

Mal abgesehen davon, dass die werdende Mutter schon hormonell belastet genügend zu tun hat, darf sie sich noch mit Fragen Ihres Arztes beschäftigen. Möchte sie erweiterte IGEL Leistungen nutzen? Welche Pränatal-Diagnostik ist sinnvoll und was ist die Konsequenz aus einem entsprechenden Befund?

Die meisten Schwangeren wissen mit der Frage erst mal gar nichts anzufangen. Sind diese gesetzlich versichert, sollte man die GKV mal konkret nach der Leistung und Besonderheiten fragen. Sind Schwangere privat versichert, wissen diese erstmal gar nicht was abgesichert ist. Also liegt es nahe den Versicherungsmakler des Vertrauens zu konsultieren – SIE.

Grundsätzlich leistet die PKV bei Schwangeren, je nach Ausgestaltung im Tarif folgendes:

  • Erst- und Verlaufsuntersuchungen zur Vorsorge in der Schwangerschaft
  • Geburtsvorbereitungskurse
  • alternative Heilmethoden und Leistungen des Heilpraktikers
  • Laboruntersuchungen
  • 3 Ultraschalluntersuchungen
  • 3D-farbcodierte dopplerechokardiographische Untersuchung des Ungeborenen
  • Pränatal-Diagnostik (Chromosomenstörungen, erbliche Erkrankungen, Ersttrimester-Test, Nackenfalten-Messung, Down-Syndrom, Plazentauntersuchung, Amniozentese/Fruchtwasseruntersuchung)
  • Regelleistungen im Krankenhaus bei der Geburt oder mehr

Hier heißt es also erstmal Bedingungen lesen und verstehen. Außerdem hilft ein Gespräch mit dem Versicherer. Diese haben häufig genaue Darstellungen der Leistung während der Schwangerschaft, die als Orientierung hilfreich sind. Stehen teure Untersuchungen an, lohnt sich eine vorherige Kostenzusage.

Die gesetzliche Krankenversicherung der Schwangeren leistet folgendes:

  • ärztliche Vorsorgeleistung und Heilbehandlung
  • Hebammenleistung
  • Kurs zur Geburtsvorbereitung
  • Arzneimittel und Heilmittel
  • Kosten einer Geburt
  • Krankenpflege nach der Geburt unter bestimmten Voraussetzungen
  • Kurs zur Rückbildung nach Geburt
  • Mutterschaftsgeld

IGEL-Leistungen können für GKV Versicherte folgendes sein:

  • Ultraschalluntersuchungen über die drei Basis-Ultraschalluntersuchungen hinaus. (Ausnahmen gibt es bei Risikoschwangerschaften, Entwicklungsstörungen oder unklaren Befunden)
  • 3D oder 4D, Organ- oder Dopplerultraschall
  • Nackenfaltenmessung
  • Ersttrimester-Screening
  • NIPT – Test
  • Rufbereitschaft der Hebamme
  • Hebammenbetreuung über die achte Woche hinaus
  • Babypflegekurs
  • Leistungen eines Heilpraktikers
  • Familienzimmer im Krankenhaus
  • Wahlleistungen im Krankenhaus (privatärztliche Leistung und 1-/2-Bettzimmer)

Einige gesetzliche Krankenversicherung leisten, in der Satzung vereinbart, Zusatzleistungen wie die Rufbereitschaft der Hebamme, Osteopathie, Partnergeburtsvorbereitung und Ähnliches.

Krank während der Schwangerschaft!

Beschäftigungsverbot

Das Privileg des privaten Patienten entpuppt sich im Bereich des Krankentagegeldes bald nicht als hilfreich, hier hat die PKV einiges nachzuholen.

Das Mutterschutzgesetz, sieht hier unterschiedliche Verbote der Arbeit vor. Erfährt der Arbeitgeber Ihrer Mandantin von der Schwangerschaft, hat er den Arbeitsplatz und die damit einhergehende Gefährdung zu überprüfen und gegebenenfalls Schutzmaßnahmen oder sogar ein Beschäftigungsverbot auszusprechen. Diese Regelungen finden Sie ab §9 MuSchG.

Denkbar ist jedoch auch die Beurteilung durch den Arzt der Schwangeren. Dieser kann ebenfalls ein Beschäftigungsverbot feststellen. Hegt der Arbeitgeber daran Zweifel, kann er eine Nachuntersuchung auf eigene Kosten anfordern.

Vorsicht Verwechslungsgefahr: Mutterschutzlohn ist die Ersatzleistung für den Zeitraum eines Beschäftigungsverbots, Mutterschaftsgeld für den Zeitraum des Mutterschutzes.

Ist Ihre Kundin Angestellte, wird der Mutterschutzlohn aus dem Durchschnitt der letzten 3 Monate vor Beginn der Schwangerschaft berechnet und für den Verbotszeitraum, wie gewohnt über eine Lohnabrechnung, durch den Arbeitgeber ausbezahlt. Hierfür erhält der Arbeitgeber über die Umlage 2 einen Kostenausgleich. Bei Selbstständigen sieht das anders aus. Hier zahlt weder die GKV noch die PKV das Krankentagegeld.

Information GKV: §9 MuSchG, §16 MuSchG, §18 MuSchG, §44 SGB V ff.

Information PKV: MB/KT 2009 in Verbindung mit AVB und Tarifbedingungen

Da eine Schwangerschaft rechtlich keine Erkrankung darstellt, ist das Beschäftigungsverbot grundsätzlich kein Leistungsindikator für Krankentagegeld. Während der Schwangerschaft wird grundsätzlich bei Krankheit ein Krankentagegeld, soweit vereinbart gezahlt.

 

In unserem nächsten Teil sprechen Anja Döring und Sebastian Kresse über Erziehungszeit und Elterngeld und beantworten relevante Fragen:

–          Was gibt es bei Mutterschutzfristen und Ersatzleistungen zu beachten?

–          Elterngeld und Elternzeit? Was ist was?

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Autoren:

Sebastian Kresse

Sebastian Kresse

Anja Döring

Anja Döring

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