TEIL II: Zielgruppe junge Familie – Mutterschutz, Ersatzleistungen und Elterngeld

In unserem letzten Beitrag haben die IGVM Mitglieder Sebastian Kresse Versicherungsmakler und Anja Döring von KVoptimal.de GmbH über die Zielgruppe junge Familie in Bezug auf Schwangerschaft und Beschäftigungsverbot berichtet.


Hier geht’s zu TEIL I: Schwangerschaft und Beschäftigungsverbot


Zum Ende der Schwangerschaft wird Ihre Kundin in Mutterschutz gehen. Was dabei zu beachten ist und wie es danach mit Elternzeit und Elterngeld weiter geht, lesen Sie heute.


Mutterschutzfristen und Ersatzleistung!


Für angestellte Mütter regelt das Mutterschutzgesetz in § 3-8 MuSchG den möglichen Arbeitseinsatz vor und nach der Geburt. Außerdem werden darin Verbote geregelt, die die Mütter vor Mehrarbeit, Überstunden, Schichtarbeit und Arbeit an Sonn- und Feiertagen schützen soll.

Für die letzten sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin besteht ein Optionsrecht für die werdende Mutter, dass die Möglichkeit bietet, auf ihren ausdrücklichen Wunsch bis zum Geburtstermin weiter zu arbeiten. Es ist jederzeit für die Mutter widerrufbar.

Für den Zeitraum nach der Geburt darf eine angestellte Mutter für mindestens 8 Wochen nicht beschäftigt werden, nur während der schulischen oder hochschulischen Ausbildung besteht eine Ausnahme – dort kann die Mutter wieder auf eigenen Wunsch am Schulbetrieb teilnehmen.

Die 8 Wochen nach der Geburt können sich verlängern:

a) wenn die Geburt vor dem errechneten Termin stattfindet. Dann werden die unverbrauchten Tage des Vorgeburtszeitraums nachgeholt.

b) wenn es sich um eine Frühgeburt, eine Mehrlingsgeburt handelt oder eine Behinderung beim Kind festgestellt wird. Dann verlängert sich der Mutterschutz auf 12 Wochen, plus ggf. die Verlängerung aus dem Vorgeburtszeitraum.

Die Verlängerung hat Auswirkung auf die Beantragung des Elterngelds. Dies wird später im Bereich Elterngeld noch Inhalt sein.

Selbstständige Mütter haben für das Beschäftigungsverbot keine Rechtsgrundlage, sie müssen selbst in Absprache mit dem Arzt entscheiden, wie sie die Zeit vor und nach der Geburt arbeitstechnisch und finanziell planen.

Die Angestellte gesetzlich Versicherte erhält als Lohnersatzleistung während des Mutterschutzes ihr Einkommen aus zwei Quellen.

  1. 13€ durch die GKV
  2. Nettoeinkommen des Arbeitgebers abzgl. der 13€ durch die GKV.

Die Angestellte privat Versicherte erhält als Lohnersatzleistung ebenfalls eine Geldleistung.

  1. Nettoeinkommen des Arbeitgebers abzgl. 13€ tgl. fiktive Einnahme der GKV (diese wird jedoch nicht geleistet aus der GKV)
  2. 210€ Pauschalbetrag durch das Bundesversicherungsamt auf Antrag.
  3. Krankentagegeld in vereinbarter Höhe als Differenz zum Nettoeinkommen. Achtung: Karenzzeit beachten

Selbstständige erhalten keine Lohnersatzleistung, sondern können ihr Krankentagegeld durch eine Änderung des Gesetzes beanspruchen. Dies ist geregelt in den MB/KT 2009. Allerdings sehen alle Versicherer die Anrechnung der Karenzzeit vor. War man während der Schwangerschaft arbeitsunfähig, wird dies nicht auf die Karenzzeit des Mutterschutzes angerechnet. Es handelt sich um einen neuen Versicherungsfall. Die einzigen Versicherer, die auf vereinbarte Karenzzeiten verzichten, sind Gothaer und Ottonova.

Experten-Tipp: Falls die werdende Mutter einen Minijob hat, wird dieser bei der Berechnung nicht automatisch berücksichtigt, weil die GKV keinen Datenaustausch mit der knappschaftlichen Versicherung des Minijobs hat. Sollte die Mutter vergessen, den Minijob anzugeben, fehlen effektiv bis zu ca. 1.500€ in der Familienkasse.

Kurz und knapp:

  • Mutterschutzfrist sechs Wochen vor Geburt und acht Wochen danach (Besonderheit Mehrlingsgeburt und Geburt vor Geburtstermin beachten)
  • Angestellte GKV – Arbeitgeber zahlt Entgelt fort abzgl. 13€ Zahlbetrag von GKV als Entgeltersatzleistung.
  • Angestellt PKV – Arbeitgeber zahlt Entgelt fort abzgl. 13€ analog der GKV Versicherten. Ersatzleistung der GKV wird jedoch nicht gezahlt, sondern pauschal 210€ vom Bundesversicherungsamt.
  • Die PKV der privat Versicherten Schwangeren und Mutter zahlt ebenfalls ein Krankentagegeld, aber Achtung bei Karenzzeiten.

Elterngeld oder Elternzeit?


Die beiden Begriffe werden gerne durcheinander gewürfelt, vereint oder gänzlich vergessen. Sie sind jedoch für Angestellte unerlässlich in Kombination zu betrachten.


Elterngeld stellt die staatliche Familienförderung in Form von Lohnersatzleistung dar.


Elternzeit ist die gesetzliche Möglichkeit nach der Geburt eines Kindes den bestehenden Arbeitsvertrag „in den Tresor“ zu verfrachten, also unter Erhaltungsschutz stillzulegen.


Für beide Themenbereiche verabschieden wir uns zeittechnisch von Kalendermonaten und –jahren. In Bezug auf beide Elemente wird vom Geburtstag des Kindes an in Lebensmonaten oder –jahren gerechnet.

In Teil III werden Anja Döring und Sebastian Kresse über Erziehungszeit und Elterngeld und beantworten relevante Fragen:

  • Wann und wer hat Anspruch auf Elterngeld?
  • Wie hoch fällt das Elterngeld aus?
  • Wer nimmt Elternzeit und wie lange?

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In Teil I berichteten wir bereits über die Zeit der Schwangerschaft in Verbindung mit ärztlicher Leistung und dem Beschäftigungsverbot. Mehr dazu lesen Sie hier: https://www.igvm.de/teil-i-zielgruppe-junge-familie-schwangerschaft-und-beschaeftigungsverbot/

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Autoren:

Sebastian Kresse

Sebastian Kresse

Anja Döring

Anja Döring

Posted in Krankenversicherung

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