Welches ist der beste Altersvorsorge Anbieter?

„Mogeln mit Mathe“-Reihe

Dies ist der erste Teil einer Artikelreihe, welche sich mit dem Thema Altersvorsorge, speziell dem Thema Modellrechnungen beschäftigt. Ziel ist es, dass die Tücken in der Modellrechnung erkannt werden um dem Mandanten keine falschen Versprechen zu geben oder später in die Haftung zu geraten, die durch den „Beschiss“ Dritter verursacht wäre.

Der Autor Walter Benda ist spezialisierter Versicherungsmakler für Gewerbekunden und Altersvorsorge, Dozent bei verschiedenen Bildungsträgern wie der VHS, dem Bund der Steuerzahler NRW sowie privaten Bildungsinstituten. Hier informiert er regelmäßig Verbraucher, wie man sich als Verbraucher gegen die miesen Tricks der Versicherungen wehren kann. Als IGVM-Mitglied hofft er mit seiner Teilnahme an der fachlichen Information am Makler die Finanzkultur in Deutschland zu verbessern. Für Vermittler wie auch Verbraucher!

Hinweis: Nennung von Versicherungen ohne Bewertung

An verschiedenen Stellen werden Versicherungen oder Angebote zur Erklärung heran gezogen. Eine Bewertung der Tarife oder Versicherungen findet in diesem Artikel NICHT statt, die Beispiele dienen lediglich der Illustrierung.

Der oben auf der Liste ist doch der Beste, oder nicht?

Nein! Ganz klares nein! Rennlisten taugen zur Altersvorsorge Beratung nicht, wofür es eine Reihe von Gründen gibt. Wer schlicht den Tarif verkauft, der ganzen oben auftaucht, zum Beispiel beim oft kostenfrei angebotenem Programm Softfair, der wird sich und seine Mandanten möglicherweise unglücklich machen! Dafür gibt es eine Reihe von Gründen.

1. Problem – Hochrechnungen sind Exponentialfunktionen

Oft kommen Sätze wie „Die haben so eine gute Unternehmenskultur“, „Die machen gute Arbeit“, „Gutes Geld für gute Leistung“ oder ähnlicher Unfug, der keine Rechtfertigung für Geldvernichtung ist! Je höher der Zins und/oder je länger die Laufzeit, umso extremer die Vervielfältigung des Geldes. Dazu ein kleines Beispiel was aus 10.000€ Anlage nach 35 Jahren wird.

Es macht also einen riesigen Unterschied ob das Produkt ein bis zwei Prozent teurer ist oder nicht! Um es in Zahlen auszudrücken, bei 35 Jahren bedeutet jeder Prozentpunkt beim Sparer den Verlust einer fünfstelligen, teils sechsstelligen Summe! Das lässt sich nicht haftungssicher dokumentieren!

Aber warum sind dann einige Anbieter oben auf den Rennlisten?!

2. Problem – fehlender Kostenausweis in den Modellrechnungen

In den Modellrechnungen fehlt die klare Kennzeichnung des Wortes unverbindlich, im Kleingedruckten steht es jedoch mehrfach. Damit ist so ein Angebot kaum mehr wert als das Papier auf dem es gedruckt ist. Eine beliebte Baustelle zum Mogeln sind die Fondskosten:

Beim Kostenausweis der Fonds fehlen schon einige Kosten, die aber anfallen (zum Beispiel die Performance Fee und andere), weil der Anleger sie zahlt. Bei Fondspolicen gilt dies analog. Die Versicherungen dürfen legal kostenrelevante Parameter weglassen oder schönen, sprich legal betrügen! Fachmedien wie AssCompact (S.44-45 Oktober 2017) oder procontra (25.10.2012 Die Tricks mit den Modellrechnungen) berichten schon lange darüber, was die (Vergleichs-)Programme der Versicherungen aber bislang ignorieren.

Fakt ist, dass für ETFs nochmal ca. 0,5% Kosten jährlich und für aktive Fonds ca. 1,5% Kosten pro Jahr abgezogen werden müssten, was die wenigsten Gesellschaften tun. Leider bieten aber nicht alle Gesellschaften ausreichend viele ETFs an um damit ein Portfolio zu bauen, womit die Auswahl sich weiter verringert. Auf die Argumentation pro ETF wird hier verzichtet, da dies nicht abschließend in zumutbarem Rahmen begründet werden kann. Es sei aber gesagt, lieber Kollege, dass wenn Du auf ETFs verzichtest, Du diesen Kostennachteil niederschreiben musst. Mir wäre keine Begründung bekannt, die im Falle des Kursverlustes von einem Richter anerkannt würde…

3. Problem – RIY Reduction in Yield ist eine wertlose Kennzahl

Einige Gesellschaften versuchen „transparenter“ zu sein, bieten aber auch nur Mogelpackungen in anderen Farben an, beispielsweise die Kennziffer RIY. Sie soll aussagen, wie hoch die Renditeminderung für eine bestimmte Laufzeit ist. Das Problem ist die Manipulationsfähigkeit dieser Kennzahl.

Das zweite Angebot sieht auf den ersten Blick schlechter aus, weil es höhere Kosten hat. Dafür kann es auch eine höhere Rendite bringen. Die Entscheidung ob diese Kosten angemessen sind, muss aber der Kunde treffen. Wir können ihn nur darauf hinweisen. Dabei ist das oben genannte Beispiel einfach gehalten, denn alle Rahmendaten (Laufzeit etc.) sind gleich.

Das Problem ist, dass es variable sowie fixe Gebühren gibt. D. h. aber dass die RIY für jeden Beitrag, jede Laufzeit und jede Fondsanlage unterschiedlich ist. Die RIY ist so unterschiedlich, dass ein Vergleich damit praktisch nicht möglich ist! Im o. g. Beispiel zeigt die Allianz eindrucksvoll wie die RIY von 27,02% auf 1 Jahr auf bis zu 0,65% nach 40 Jahren fällt. Sittlicher Mehrwert? Keiner! Obendrein ist die Allianz an dieser Stelle auch insofern gemein als dass Sie den Wert pro 1000€ ausweist statt den Gesamtbeitrag, der in Eurocent deutlich tiefer in die Tasche des Anlegers greift.

Nehmen wir jetzt den gleichen Vertrag auf 20 Jahre Laufzeit, verändert sich die RIY auf ca. 0,4% obwohl die realen Kosten gleich geblieben sind. Bei einigen Anbietern kann einfach die Aufschubzeit nach hinten verlegt werden um die RIY künstlich zu reduzieren. Fair ist anders!

4. Problem – Einrechnung von Rückvergütungen, Treueboni und Kickbacks

Das o. g. Beispiel ist doppelt böse, denn bei den Fonds sind Kickbacks eingerechnet, nicht garantierte Rückvergütungen des Vertriebs. Die Kosten sind garantiert, denn sie fallen immer an aber die Kickbacks sind es nicht. Waren also die Annahmen „zu optimistisch“, um nicht zu sagen frisiert, dann hat der Anleger mal locker 1,5% weniger Rendite pa…

Gleiches gilt für Treuerboni. Laut GDV – Gesamtverband der Versicherungswirtschaft – werden nur circa 1/6 aller abgeschlossenen Verträge bis zum Ende aktiv bedient. Wenn die Versicherungen also großzügige Treuerboni zum Ende einrechnen, ist klar, dass die meisten Anleger dieses Geld nie sehen werden und die Hochrechnung irreführendist. Im oben gezeigten Beispiel der Canada Life sind die Boni mit circa 0,5% pa zum Ende hin noch sehr moderat. Es gibt aber Anbieter, die vernichten einen Großteil des Geldes, wenn diese Schlussboni nicht erreicht werden.

Schlimmer wird es nur noch bei individuellen Rückvergütungen. Einige Anbieter rechnen unterschiedlich hohe Kickbacks pro Fonds ein, womit dem Anleger frisierte Hochrechnungen angeboten werden.

Im oben gezeigten Beispiel der Prisma Life wurde ein Kunde einmal mit einem teuren aktiven Fonds und einmal mit einem ETF gerechnet. Bis auf den Fonds waren alle Parameter gleich. Dann „Tuning“ der Modellrechnung kommt beim deutlich teureren Fonds durch nicht garantierte Rückvergütungen trotz erhöhter Kosten deutlich mehr raus.

Oder sie erlauben direkt, dass man unabhängig vom Sicherungsmechanismus oder dem Anlagemotor die Rendite frei einstellen kann, auch wenn diese gar nicht in der Praxis erreicht werden kann.

5. Problem – Garantiemodelle nicht berücksichtigt

Kann bei einem Höchstrechnungszins von 0,9% eine Fondspolice 100% Kapitalerhalt und trotzdem eine Rendite von 8% erreichen? Vermutlich nicht, höchstens durch Glück und auch dann nur bei einer Person aus hundert, wobei das nur eine optimistische Schätzung von mir ist. Anbieter wie Volatium, das IVFP (Institut für Vorsorge und Finanzplanung) oÄ bieten hierzu gute Orientierung. Obwohl gesetzlich seit Einführung der CRK verboten, erlauben einige Programme immer noch dass die Rendite frei gewählt werden kann, auch wenn das überhaupt nichts mit dem Anlagemodell zu vereinbaren wäre.

„Renditeoptimierung“ durch Softwareoptimierung

Bei Canada Life könntest Du 51% UWP – Unitised-With-Profits-Fund – und 49% APM – Active Portfolio Management – wählen, dann kannst Du 6% hochrechnen. Machst Du auf einmal 49% UWP und 51% APM ändert sich quasi nichts an der Aufteilung oder der Renditewahrscheinlichkeit, aber plötzlich geht die Hochrechnung mit 8%. Und so verhält es sich bei fast allen Gesellschaften!

Besonders schlimm sind Vergleichsprogramme, denn die rechnen mit Platzhaltern (sog. Proxys). Um dir als Anweder Zeit zu ersparen, machen sie im Hintergrund Vorbelegungen um den Rechenprozess zu beschleunigen. Da kannst Du auch eine Riester-Rente trotz 100% Beitragsgarantie mit 8% pro Jahr berechnen. Mathematisch ist das korrekt aber die Wahrscheinlichkeit, dass dein Mandant – gleichzeitig der Anleger – diese Performance bekommt liegt vermutlich bei unter 1%. Sprich 99 von 100 Riester Kunden werden von Vergleichsrechnern falsche Renditen versprochen.

6. Mythos Überrendite – Wenn man den Bogen überspannt

Einige Gesellschaften kennen keine Scham! Mein liebstes Beispiel ist die Zürich Riester Rente, welche exakt das gleiche Anlagemodell hat wie das Original von der DWS und sogar den gleichen Produktnamen trägt. Nicht nur, dass deren Fonds verwendet werden, die DWS verwaltet das Geld für die Zürich Anleger bei sich. Aber die Aktuare – Versicherungsmathematiker – der Zürich können „zaubern“!

Daher folgende Aufgabe, denn schreiben kann ich hier viel: Lieber Kollege, rechne eine DWS Riester Rente sowie eine Zürich Riester Rente und dann lass dir erklären wie eine Versicherung NACH KOSTEN mehr Geld auszahlen können soll als die Fondsgesellschaft ohne Versicherungskosten… Die magische Geldvermehrung, ein Mythos, den Versicherungen gerne als „Überrendite“ verkaufen. Schwachsinn und nichts anderes als mogeln mit Mathe, das Frisieren von Modellrechnungen bis zu einem Grad, den ich als Betrug am Anleger bezeichne!

7. Brutto-Netto-Methode – Wie vergleiche ich denn richtig?

Zur Vereinfachung solltest Du immer auf die Bruttomethode OHNE Kickbacks, Treueboni etc. abstellen, denn dann hast Du vergleichbare Parameter und kannst selbst einen Kostenvergleich anstellen. Bei der Nettomethode kannst Du das nicht ohne weiteres, weil Du erst die ganzen Manipulationen rausrechnen müsstest. Und selbst wenn Du das schaffen würdest, dann hättest Du unterschiedliche Bruttorenditen, womit ein Vergleich nicht möglich ist. Wenn Du jetzt nicht weißt was gemeint ist, hilft dir vielleicht diese Grafik:

Ein paar Dinge sollten dir auffallen:

Die Kosten sind garantiert, die Kickbacks aber nicht. Rechnet die Versicherung Kickbacks ein, ist die Hochrechnung fragwürdig. Auch deshalb ist die Anlage über kostengünstigere ETFs häufig zu bevorzugen. Ganz „gewiefte“ Versicherungen rechnen sogar Kickbacks ein obwohl Du ETFs ausgewählt hast. Du musst also prüfen ob die Kickbacks pauschal oder fondsabhängig eingerechnet werden.

Rechnet die Versicherung mit der Nettomethode, wird die Rechnung anders rum gemacht. Stehen im Angebot 6% Rendite, so ist dies die Annahme nach Kosten, die Du noch händisch aufrechnen müsstest. Bei 6% Nettorendite sind idR 8% Bruttorendite nötig, was eine gewagte Prognose ist. Erst recht, wenn Garantien hinzu gezogen werden. Wer eine Riester-Rente aus dem Vergleichsrechner mit 8% rechnet, der bräuchte eine Bruttorendite von ca. 10% trotz 100% Beitragsgarantie. Das ist unmöglich! Wer so verkauft, kommt zwangsweise in Erklärungsnotstand.

Vergleichst Du also 6% Bruttorendite mit 6% Nettorendite, ist das unfair, denn eigentlich vergleichst Du 6% Brutto mit 8% Brutto. Ein Trick, den schlechte Wettbewerber anwenden. Deshalb zitiere ich gerne Prof. Michael Hauer vom IVFP, der sagt: „Nur über die Bruttomethode bei gleicher Laufzeit und Fondsauswahl ist ein fairer Vergleich möglich!“

Wie findest Du jetzt die richtige Altersvorsorge für deine Anleger?

Kann ich dir leider an dieser Stelle noch nicht sagen, denn jeder geht mit einer anderen Philosophie vor. Aber zumindest in Bezug auf die Hochrechnungen ist fest zu halten, dass Du selbst rechnen können musst, denn nahezu kein Anbieter weist die Daten sauber aus. Also entweder selber ein Programm schreiben, beispielsweise in Excel, oder eines der vorhandenen Tools am Markt kaufen.

WICHTIG: Glaube weder dem Vergleichsprogramm, noch der Modellrechnungen, denn es wird dich und deinen Mandanten wahrscheinlich teuer zu stehen kommen! Das könnte ein teurer Boomerang werden, der vermeidbar ist.

In den folgenden Teilen unserer Reihe bekommst Du weitere Informationen, die dir helfen die Selektion zu vereinfachen, sauber zu begründen um damit für den Anleger und für dich ein besseres Ergebnis zu erzielen. Dass Du dabei gleichzeitig mehr, hochwertiger und stornosicherer vermittelst, ist ein schöner Nebeneffekt.

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Informationen zum Autor Walter Benda

Walter Benda arbeitet seit über 15 Jahren als Versicherungsmakler und Finanzdienstleister aus der Nähe von Köln. Er hat eine mehrere akademische sowie praktische Qualifikationen und tritt regelmäßig als Gastredner im TV, Fachmagazinen sowie als Dozent auf. Auch im Rahmen des Verbraucherschutzes, beispielsweise als Fachreferent beim Bund der Steuerzahler. In Zusammenarbeit mit seinem Netzwerk bietet er Kollegen fachlichen Rat und berät Privat- sowie Gewerbekunden.

Wenn Du fachlichen Austausch oder eine Beratung suchst, kannst Du einen Termin beim ihm online einbuchen oder ihm eine Nachricht schreiben.

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Posted in Lebensversicherung / Altersvorsorge

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